unglaublich! unerhört … in postproduktion!

Das Dokumentarfilmprojekt “unerhört” (Arbeitstitel) behandelt das Thema Schwerhörigkeit.

Die Gesellschaft teilt ein in “Hörende” und “Gehörlose” – Schwerhörige sind da irgendwo dazwischen. Ob leicht oder an Taubheit grenzend schwerhörig: Auf den ersten Blick ist diese Beeinträchtigung unsichtbar. Sie wird meistens erst bemerkbar, wenn wer nicht versteht oder falsch versteht.

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Der Film –

als Langzeit-Projekt angelegt, habe ich die letzten 3 Jahre die beiden Protagonistinnen in ihrem Alltag und bereits mit der Kamera begleitet und intensive Gespräche geführt. Wir haben uns gemeinsam (Filmemacherin und ProtagonistInnen) auf diesen filmischen Prozess eingelassen, ohne zu wissen, wohin er uns führen wird. Die Offenheit der Protagonistinnen ermöglicht mir, sie mit der Kamera in ganz privaten Situationen weiter zu begleiten. So hat sich der Film und mit ihm die filmische Story mit dem Leben der Protagonistinnen weiter entwickelt; Vom Arbeitststellenwechsel über Schwangerschaft und Geburt, von Trennung zu neuer Liebe – die ganz “alltäglichen” Lebensthemen.

Und dabei geht es natürlich immer um die Schwerhörigkeit der Protagonistinnen und der Umgang ihrer gut hörenden Lebensumgebung mit dieser unsichtbaren Beeinträchtigung.

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Ingrid (Logopädin), Manuela, Maria und Amelie      Catrin und ihr Freund Eric

Die Protagonistinnen –

Manuela hat sich für ein Cochlea Implantat, Catrin hat sich dagegen entschieden – beide haben sich bewusst für ihre Form von Leben in der hörenden Welt entschieden – und so stellen sie beide je eine Möglichkeit des Lebens mit der Schwerhörigkeit in unserer Gesellschaft dar.

Sie lassen uns ihren Alltag miterleben, und dabei zeigt sich auch, mit welchen Schwierigkeiten, Hürden und Konflikten sich schwerhörige Menschen in unserer Gesellschaft in allen, speziell allen kommunikativen Situationen auseinandersetzen (müssen) – wenn alleine telefonieren schon sehr schwer fällt oder nicht möglich ist!

Catrin ist Lehrerin an einer Schule mit hörbehinderten und guthörenden Kindern in Salzburg. Sie nahm sich letzten Sommer Bildungskarenz – ein Jahr auf der Kunstschule in Wien – und ist wieder nach Salzburg zurückgekehrt, wo sie in ihrer Beziehung mit Eric glücklich ist.

Manuela ist Ergotherapeutin und hat vor zwei Jahren ihre Arbeitstelle am Institut für Hörbehinderte in Vorarlberg gewechselt und ist nach Niederösterreich zurückgekehrt. Nach der Geburt ihrer Tochter Amelie ist sie in Karenz.

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Manuela mit Amelie an der Donau     Catrin mit Freundin Babsi an der Donau

Amelie ist, wie ihre Mutter Manuela, von Geburt weg hochgradig schwerhörig. Es wird gerade durchprobiert, wie und ob sie mit Hörgeräten ausreichend versorgt ist. Der Hörgeräteakustiker ist begeistert.

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Manuela mit Amelie

Das Baby eröffnet für den Film den Zugang zu einer neuen, auch filmkünstlerisch-auditiven Ebene: Bildlich und auditiv werden seine Reaktionen auf Töne, sein “Ertasten von Tönen”, das Erlernen von “Hören”, auch anhand der begonnenen Frühförderung festgehalten. So entstehen – über die inhaltliche Auseinandersetzung hinaus – zusätzlich neue filmische (Ton-)Bilder, die anders nie möglich geworden wären!

Die auditive Ebene –

die Welt der Töne und wie sich sich “anfühlt” findet in enger Zusammenarbeit mit einem Tonkünstler und mit einem Tonstudio statt. Das Publikum soll “hören” bewusst erleben. Der Film will Hörerlebnis sein, will sensibilisieren: Wie ist das, wenn Stimmen verzerrt klingen und Inhalte nur schwer wahrgenommen werden können, wie ist es, wenn Geräusche erschrecken? Der Film will die “Ohren öffnen” für Töne die – auch von Guthörenden – üblicherweise kaum bis gar nicht wahrgenommen werden – wie klingen denn zum Beispiel Schneeflocken?

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Maria und Amelie                       Catrin und Eric beim Aufbau der Ausstellung

Mit den Protagonistinnen wird filmisch die Welt der Töne erkundet – So geht M. mit ihrem Baby im Wald spazieren, ein Wind bewegt die Blätter, ein Bach plätschert und ganz langsam verschwindet das Rauschen der Blätter, das Plätschern des Wassers aus dem “Hörbild”, der Bach und die Blätter bleiben aber zu sehen. Oder der Wind wird bei einem Gespräch so laut, dass er die Stimmen völlig übertönt. Catrin ist als Lehrerin täglich vielen verschiedenen Tönen ausgesetzt: Kinderlachen, Geschrei, Hohe Töne, tiefe Töne, Verzerrungen, Täuschungen..

Mit mannigfaltigen Hörmöglichkeiten will der Film auf der Tonebene ebenso künstlerisch spielen wie auf der visuellen Ebene, um dem Publikum zu ermöglichen, Hören als Sinn und sinnlich zu entdecken.

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Manuela zurück in Niederästerreich                   Catrin und Eric im Regen

Barrierenfrei –

der Film ist für ein schwerhöriges, für ein gehörloses und ein gut hörendes Publikum gedacht. Alle sollen diesen Film sehen! Schwerhörige können mit dem Film ihre eigene Schwerhörigkeit, ihre eigenen Schwierigkeiten vielleicht besser erklären und reflektieren – und Guthörenden will der Film überhaupt eine erste “Berührung” mit dieser Beeinträchtigung ermöglichen.

Menschen, die das Mundbild brauchen zum Verstehen, brauchen auch Untertitel im Film.

Damit der Film auch für gehörlose Menschen verständlich wird werden eventuell zusätzlich Gebärdenübersetzungen nötig, das wird während der noch laufenden Produktion getestet.

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Die Produktion –

 Gedreht wird seit Beginn 2009 auf DV-Cam im Format 4:3.

Die Entscheidung, dabei zu bleiben, ist auch eine ästhetische der Filmemacherin: die Privatheit kommt starker rüber. Jetzt kommt zur Bildproduktion die Tonproduktion. Zusätzlich zu den normalen Dreharbeiten müssen Tonaufnahmen (selbstredend mit Bild) zur Erarbeitung der auditiven Ebene produziert werden. Der Tonkünstler wird dann in seinem Tonstudio mit diesen weiterarbeiten.

Die Postproduktion –

Bis Herbst 2014 Fertigstellung des Rohschnitts; gemeinsam mit dem Tonkünstler Gerhard Laber wird bereits am Ton gearbeitet. Die endgültige Bild- und Tonmischung soll im Herbst 2014 stattfinden. Geplante Filmlänge ist ca. 50-70 Minuten.

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Manuela                                                                                        Catrin

UNERHÖRT In Endproduktion! … Fertigstellung und Release: Herbst/Winter 2014

 

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Die Autorin und Filmemacherin –

Ich bin als Filmkünstlerin selber hochgradig Innenohr-Hochton-Schwerhörig – und darf soeben mit neuesten Hörgeräten ein “neues Hören” erleben. Jetzt freue ich mich bereits auf die intensive Zusammenarbeit mit einem Tonkünstler an der Tonebene meines Films in seinem Tonstudio.

Angefragt habe ich Gerhard Laber für eine gemeinsame künstlerische Erarbeitung der auditiven Filmebene und Felix Maringer für weitere Effekte und die Mischung. Beide haben zugesagt, an diesem Projekt mitzuarbeiten.

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Nicole Baïer

geb. 1967 in Basel/Schweiz. Filmemacherin und Medienkünstlerin, Kommunikationswissenschafterin. Wohnt seit 1994 in Salzburg, Österreich und arbeitet international.

Als Filmemacherin Dokumentaristin (Stoffentwicklung, Drehbuch, Kamera, Schnitt), spannen ihre Videoarbeiten einen Bogen vom Dokumentarischen über Musik- und Tanzvideos bis in den intermedialen und experimentellen (Medien-) Raum (Szenographie, Videoarbeiten und -installationen im Raum).

 

Dokumentarische, intermediale, experimentelle Arbeiten (Auswahl): “Chorfantasien” (A 2014) Atmosphärische Videoszenografie für das Theaterstück von Gerd Jonke. R: Hildegard Starlinger. Mit einem gebärdenden Chorus. “Create a Change – STOP FGM” (A/ Sierra Leone 2014) Intro für Dok. über die Arbeit gegen Frauenbeschneidung in Sierra Leone. Konzept, Kamera, Schnitt. (Standfotos Aleš Fon). “Am Puls der Gletscher” (A 2012) Videoloops über Gletschermessungen. P: Land Salzburg, für die Ausstellung: Aqua Alta Alpina, Messe Salzburg Feb. 2012 Konzept, Kamera, Schnitt. “was wir träumen” (A 2012, Dok. zum gleichnamigen Theaterprojekt) R: Andrea Maurer, K: Peter Pfund. Konzept (gem. mit Andrea Maurer), Schnitt (& Co-Dramaturgie). “König Oedipus” (A 2011) R: Adele Kobald. P:Theater Focuss. Szenographie (Video & Bühne). “Borderlines/Grenzgänge” (A 2011, szenographische Videoarbeit für Tanz.  2009 Uraufführung). Tanz & Choreografie: Birgit Mühlmann-Wieser. K: Christiane Pott-Schlager. Szenographie & Videoschnitt. Der Kürsingersteig. Ein Alpenvereinsweg am Fuss des Großvenedigers”. (A 2010, Dokumentarfilm) Idee: Heinz Slupetzky. Konzept, Kamera, Schnitt. “blurred memories” (A 2009, Video mit Tanz), Genius For Sale” (A 2006, Film zur Lifemusik). Musikalische Leitung: Max Kickinger. P: Jazzit. Splitter” (A 2000-2005, Experimental/Dok) P: Studio West Salzburg. Konzept und Beiträge. Summer of Art (A 2000, Dokumentarfilm über die Int. Sommerakademie Salzburg). Mit Mario Jandrokovic. Konzept, R, K, Schnitt. Dani Prosjaka – Days Of Beggars” (BiH/A, 1999/2003, Musiktheatervideo). “GalerieErsatz” (Experimental. A, 1998). “RaumBild“ (Installation mit Super8. 1997).

Stipendien: Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst, Salzburg 1997. Klasse Brigitte Kowantz.

Ausstellungen: (Teilnahme): Galerien der Stadt Salzburg, 2009.

 

Projekte in Arbeit:

Die Gletscher als Individuen. Beobachtungen, Beforschungen, Beziehungen.” (Arbeitstitel). Dokumentarfilm über die Gletscher und die Veränderungen im europäischen Alpenraum. Mit Heinz Slupetzky u.a. Geplante Fertigstellung: 2015.

 “CI/CADA/S” –  Das neue Stück aus der Serie „dance in intermedial space“. Videograpie und Szenografie für das Tanzstück, gemeinsam mit Birgit Mühlmann-Wieser und Mu-Yi Kuo. P: b.m-w dance company.  Das Stück spiegelt das (Zwischen-)Menschliche wider: Die Emotionen und Sensationen, die sich im einzelnen Körper einschreiben und im sozialen Körper, im Zusammenleben, zum Ausdruck kommen. Es werden uns Klänge, Bilder und Bewegungen die Sinne umspülen! Premiere am 22. Januar 2015 in der Szene Salzburg. 

“Create a Change” (Arbeitstitel). Dokumentarfilm und Buchprojekt über eine bewegte und bewegende Frau in Sierra Leone, die selbstbewusst gegen die traditionelle Mädchenbeschneidung kämpft. Mit Fokus auf die Diaspora in Europa, die diese Tradition trotz Migration beibehalten hat. Geplante Fertigstellung Ende 2015.

“Ein Forscher im Hochgebirge. Erinnerungen an Helmut Heuberger”.  Mit Helmut Heuberger, Helma Schimke, Kurt Diemberger, Sepp Goldberger, Hermann Klier, Ludwig Braun, Roman Türk, u.a. Gemeinsam mit Sina Moser. Geplante Fertigstellung Ende: 2014.

In Planung: Ich bin immerzu auf der Suche neuer künstlerischer Ausdrucksformen, dies seit einiger Zeit verstärkt im Theater- und Performancebereich – aber auch am Aufspüren von Tönen und Bildern im abstrakten und im europäischen Kultur-Raum… coming soon!

 

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